Chrome markiert eine Website in Rot, sobald das SSL-Zertifikat abgelaufen ist – noch bevor die Startseite überhaupt lädt. Wer seine Website selbst durchchecken will, fängt deshalb nicht bei der Suchmaschinen-Optimierung an, sondern bei der Frage, ob die Seite überhaupt vertrauenswürdig aussieht. Die folgenden neun Schritte sind die Reihenfolge, in der ein solcher Check tatsächlich abläuft – nicht die Reihenfolge, in der ihn eine Checkliste aufzählen würde.
1. Zertifikat und Verschlüsselung prüfen
Der SSL-Test von Qualys SSL Labs ist kostenlos und braucht nur die Domain, keine Anmeldung. Das Ergebnis ist eine Note von A bis F, dazu eine Liste veralteter Protokolle oder Zertifikatsketten, die im Browser-Schloss-Symbol nicht sichtbar sind. Wer diesen Schritt überspringt, verlässt sich auf das grüne Schloss allein – das zeigt aber nur, dass überhaupt verschlüsselt wird, nicht ob die Konfiguration aktuell ist.
2. Google Search Console öffnen
Die Search Console ist kostenlos, verlangt aber eine einmalige Verifizierung per DNS-Eintrag oder HTML-Tag. Im Bericht zur Seitenindexierung steht, wie viele Unterseiten tatsächlich im Index liegen und warum einzelne ausgeschlossen wurden. Ohne diesen Blick bemerkt niemand, wenn eine wichtige Unterseite seit Monaten nicht mehr gecrawlt wird – die Seite existiert weiter, taucht aber in keiner Suche mehr auf.
3. Core Web Vitals in PageSpeed Insights ansehen
Unter pagespeed.web.dev reicht die URL, das Tool ist kostenlos und liefert getrennte Werte für Mobil und Desktop. Wichtiger als die Gesamtpunktzahl sind die drei Core Web Vitals: Ladezeit des größten Elements, Layoutverschiebung, Reaktionszeit auf Eingaben. Wer nur auf die Punktzahl starrt, optimiert leicht das Falsche – ein Beitrag von vistem.eu beschreibt für Produktionsprozesse denselben Effekt: eine einzelne Kennzahl, die lokal gut aussieht, kann dem Ganzen schaden, wenn man sie isoliert optimiert.
4. Ladezeit mit echten Ressourcen prüfen
GTmetrix zeigt in der kostenlosen Version ein Wasserfall-Diagramm: welche Datei wie lange braucht, welches Bild die Seite blockiert. Anders als PageSpeed Insights lässt sich hier sehen, ob ein einzelnes 4-MB-Hintergrundbild der eigentliche Bremsklotz ist. In der freien Version fehlen geplante Wiederholungen und die Auswahl mehrerer Testserver – für einen einmaligen Check reicht das trotzdem.
5. Mobile Darstellung in den Chrome-Entwicklertools simulieren
Rechtsklick auf die Seite, „Untersuchen“, dann das Symbol für Geräte-Ansicht. Wer hier nur ein Standardgerät testet, sieht nicht, was bei 360 Pixel Breite (kleines Smartphone) oder 1440 Pixel (Tablet quer) passiert. Menüs, die bei 375 Pixel gut aussehen, klappen bei 360 Pixel manchmal nicht mehr richtig auf. Auch die Simulation ersetzt kein echtes Gerät – ein zusätzlicher Blick auf ein reales Smartphone mit langsamer Mobilfunkverbindung zeigt Ruckler, die der Simulator im Büro-WLAN nicht nachbildet. Dieser Schritt kostet fünf Minuten und zeigt fast immer mindestens ein Element, das am echten Telefon anders wirkt als am Monitor.
6. Kontaktformular und Telefonlink selbst auslösen
Eine Testnachricht über das eigene Formular schicken und prüfen, ob sie ankommt – auch im Spam-Ordner nachsehen. Auf dem Smartphone den Telefonlink antippen und kontrollieren, ob tatsächlich gewählt wird. Formulare, die seit einem Server-Umzug ins Leere laufen, fallen sonst erst auf, wenn ein Kunde sich wundert, warum niemand zurückruft. Wer stattdessen ein Buchungstool anbindet, kennt das Problem in anderer Form – dort geht es weniger um tote Formulare als um die Frage, ob Kunden das Telefon überhaupt noch anrufen müssen, wie der Beitrag zum Buchungstool im Kleinbetrieb beschreibt.
7. Google-Unternehmensprofil mit der Website abgleichen
Adresse, Öffnungszeiten und Telefonnummer im Google-Unternehmensprofil müssen mit den Angaben im Website-Footer übereinstimmen. Eine abweichende Telefonnummer sieht nach einem Umzug oder Providerwechsel harmlos aus, verwirrt aber jeden, der beide Quellen nebeneinander sieht.
8. Interne Links durchklicken
Bei kleinen Websites reicht es, die Hauptnavigation und die wichtigsten Unterseiten von Hand durchzuklicken. Bei größeren Seiten übernimmt das der W3C Link Checker kostenlos, allerdings Seite für Seite und ohne grafische Übersicht. Tote Links entstehen meist nicht durch Fehler beim Schreiben, sondern durch später umbenannte oder gelöschte Unterseiten, auf die noch irgendwo verlinkt wird.
9. Ergebnisse mit dem letzten Durchgang vergleichen
Ohne Vergleichswert ist jede Einzelmessung nur eine Momentaufnahme. Was genau in eine solche Prüfung gehört, steht ausführlicher in der Checkliste zum technischen Website-Check; was die vierteljährliche Wiederholung an Eigenzeit kostet, ist in der Rechnung zu 275 Euro Eigenzeit im Jahr durchgerechnet.
Die Abkürzung: ein automatisierter Check von außen
Wer die neun Schritte nicht selbst durchklicken will, findet unter dem kostenlosen Website-Check von Log-System Development eine automatisierte Zusammenfassung von Tempo, SEO-Grundlagen und einigen der oben genannten Punkte in einem Durchgang. Das ersetzt nicht jeden Einzelschritt – Formulartests und der Abgleich mit dem Google-Unternehmensprofil bleiben Handarbeit – deckt aber die technischen Punkte schneller ab als das Zusammentragen aus fünf verschiedenen Tools. Log-System Development beschreibt sein eigentliches Geschäft so: Websites bauen, die auf Anfragen ausgelegt sind, KI-Funktionen einbinden und Apps direkt mit Entwicklern entwickeln, ohne Agentur zwischen Kunde und Code. Für einen Betrieb, der nach dem Check ohnehin einen Relaunch plant, ist das ein Ansprechpartner ohne Zwischenstation – für einen Betrieb, dessen Website nur zwei, drei kleine Korrekturen braucht, lohnt sich dagegen oft der Griff zum eigenen CMS.
Was dabei am häufigsten schiefgeht
Der verbreitetste Fehler ist nicht ein übersprungener Schritt, sondern die falsche Reihenfolge der Schlussfolgerungen: ein rotes PageSpeed-Ergebnis wird als SEO-Problem gedeutet, obwohl Ladezeit und Auffindbarkeit zwei getrennte Baustellen sind. Ebenso häufig: Ein gutes SSL-Ergebnis wird als Beleg dafür genommen, dass „die Website in Ordnung ist“ – dabei sagt der SSL-Test nichts über Inhalte, Indexierung oder Formulare aus. Wer die neun Schritte einzeln betrachtet, statt eine Note in die andere hineinzudeuten, findet die eigentliche Ursache meist schneller.