Die Empfehlung „Seien Sie auf allen Kanälen sichtbar" passt nicht zu jedem Kleinbetrieb
Mehr Social-Media-Kanäle gelten als sicherer Weg zu mehr Kunden. Für Betriebe mit zwei oder drei Leuten lohnt sich oft erst der Blick auf die eigene Website.
Mehr Social-Media-Kanäle gelten als sicherer Weg zu mehr Kunden. Für Betriebe mit zwei oder drei Leuten lohnt sich oft erst der Blick auf die eigene Website.
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1,5 Sekunden Ladezeitunterschied kosten einen Elektrobetrieb nach einer früheren Auswertung auf Wischtig rund 14.000 Euro im Jahr – trotzdem rät kaum eine Marketing-Checkliste dazu, zuerst die eigene Website zu prüfen, bevor ein weiterer Social-Media-Kanal eröffnet wird. Stattdessen lautet die Standardempfehlung fast überall gleich: präsent sein, wo die Kunden sind, und das heißt in der Praxis meist Instagram, Facebook, LinkedIn, vielleicht TikTok, dazu das Google-Unternehmensprofil und die eigene Website sowieso.
Die Logik dahinter ist nicht falsch. Jede Plattform hat einen eigenen Algorithmus, eine eigene Altersverteilung und eigene Gewohnheiten der Nutzer. Wer nur auf einem Kanal sitzt, verpasst zwangsläufig die Menschen, die diesen Kanal nicht nutzen. Für ein Modelabel oder einen Eventveranstalter, dessen Zielgruppe tatsächlich auf Instagram oder TikTok nach Inspiration sucht, stimmt diese Rechnung oft. Auch Google selbst belohnt Unternehmensprofile, die regelmäßig gepflegt werden, mit besserer Sichtbarkeit in der lokalen Suche. Marketingagenturen bauen ihre Pakete entsprechend auf: Ein Kanal allein gilt als Risiko, mehrere Kanäle als Absicherung gegen den Bedeutungsverlust eines einzelnen Netzwerks.
Die Empfehlung kommt also nicht aus dem Nichts. Sie funktioniert in genau den Fällen, für die sie ursprünglich gedacht war: Marken mit Marketingbudget und einer Zielgruppe, die tatsächlich zwischen mehreren Plattformen wechselt, bevor sie eine Kaufentscheidung trifft.
Ein Handwerksbetrieb oder eine kleine Kanzlei hat selten eine Person, die ausschließlich für Social Media zuständig ist. Die Pflege eines Kanals kostet Zeit, die an anderer Stelle fehlt – und genau diese verdeckten Zeitkosten wurden bereits für die alltägliche Arbeit über die Arbeit beschrieben. Jeder zusätzliche Kanal bringt neue Benachrichtigungen mit sich, neue Kommentare, neue Direktnachrichten, die beantwortet werden wollen. Bleibt eine Anfrage auf Facebook drei Tage unbeantwortet, sehen das alle, die vorbeischauen. Ein unbeantworteter Brief liegt wenigstens verdeckt in der Ablage.
Mehr Kanäle, mehr Lücken.
Dazu kommt ein zweiter Effekt, der sich erst nach einigen Monaten zeigt: Ein halbherzig gepflegtes Profil, auf dem der letzte Beitrag von vor vier Monaten stammt, wirkt auf Interessenten eher abschreckend als neutral. Wer eine veraltete Instagram-Seite findet, fragt sich zu Recht, ob der Betrieb überhaupt noch existiert. Ein Kanal, den es gar nicht gibt, stellt diese Frage nicht.
Hinzu kommt: Die meisten dieser Kanäle verweisen am Ende doch wieder auf die eigene Website, über den Link in der Bio, über das Impressum, über den Button „Mehr erfahren". Ist diese Website langsam, unübersichtlich oder auf dem Smartphone kaum bedienbar, führt der zusätzliche Kanal nur mehr Besucher zu einem Problem, das vorher schon bestand. Wo Anfragen tatsächlich landen und welcher Kanal dafür technisch überhaupt geeignet ist, wurde bereits im Vergleich zwischen WhatsApp Business, Kontaktformular und Google-Nachrichten genauer untersucht – meist sind es zwei, drei Wege, über die der überwiegende Teil der Kundschaft tatsächlich kommt, nicht fünf oder sechs gleichzeitig gepflegte Profile.
Bevor ein weiterer Kanal eröffnet wird, lohnt sich ein Blick auf das Fundament, über das jeder Kanal am Ende doch läuft. Drei Punkte lassen sich dabei konkret prüfen:
Wer diese drei Punkte nicht aus dem Stand beantworten kann, findet sie über den kostenlosen Website-Check von log-sysdev.de, der Ladezeit, SEO-Grundlagen und mobile Darstellung in wenigen Minuten auswertet. Das Ergebnis zeigt, ob die eigene Seite überhaupt bereit ist, zusätzlichen Besucherverkehr aus einem neuen Kanal sinnvoll aufzunehmen, bevor Zeit in ein weiteres Profil fließt. Stellt sich dabei heraus, dass die Website selbst das eigentliche Problem ist, baut log-sysdev auch neue Websites und Apps, direkt mit den Entwicklern und ohne den Umweg über eine Agentur, inklusive KI-gestützter Funktionen dort, wo sie fachlich Sinn ergeben.
Was dieser Check nicht löst: ein Kapazitätsproblem. Wenn die zwei Leute im Betrieb schon mit dem Tagesgeschäft ausgelastet sind, wird eine schnellere Website keine zusätzlichen Antworten auf Kundenanfragen produzieren. Dafür braucht es andere Entscheidungen, etwa darüber, welche Anfragen überhaupt beantwortet werden müssen und welche nicht, und in welcher Reihenfolge das über den Tag verteilt passiert.
Für Betriebe mit einer jungen Zielgruppe, die tatsächlich über Bilder und kurze Videos entscheidet – Mode, Gastronomie mit Laufkundschaft, Eventveranstalter –, bleibt die ursprüngliche Empfehlung zutreffend. Gleiches gilt, sobald eine Person oder ein Agenturbudget fest für diese Aufgabe eingeplant ist. Dann ist die Pflege mehrerer Kanäle kein zusätzlicher Aufwand neben dem eigentlichen Geschäft, sondern das eigentliche Geschäft selbst. Auch Betriebe, die bereits mehrfach erlebt haben, dass eine bestimmte Plattform tatsächlich Anfragen bringt, sollten diesen einen Kanal natürlich nicht aufgeben, nur weil er nicht der einzige sein sollte.
Für den Rest gilt: Ein Kanal, der tatsächlich funktioniert, bringt mehr als drei, die halbherzig gepflegt werden. Wer unsicher ist, ob die eigene Seite dieses eine Fundament schon trägt, fängt dort an – nicht beim nächsten Profil, das noch niemand vermisst hat.