Ein Elektrobetrieb mit neun Beschäftigten bekommt im Schnitt zehn Anfragen pro Monat über das Kontaktformular seiner Website – jedenfalls in diesem konstruierten, aber realistisch gerechneten Beispiel. Ein kostenloser Website-Check zeigt eine Ladezeit von 3,8 Sekunden auf der Startseite. Google nennt für den zentralen Ladezeit-Wert LCP einen guten Bereich von unter 2,5 Sekunden, alles darüber gilt als verbesserungswürdig oder schlecht, wie unter anderem bei huchel-medienagentur.de zusammengefasst. Die Differenz zwischen Ist und Ziel: 1,5 Sekunden. Klingt nach wenig. Ist es rechnerisch nicht.
Ein Betrieb, zehn Anfragen, 1,5 Sekunden zu langsam
Der Website-Check, den log-sysdev.de kostenlos anbietet, misst genau solche Werte: Ladezeit, SEO-Grundlagen, technische Basisdaten. Für Betriebe, die nie nachgesehen haben, wie ihre Seite auf einem durchschnittlichen Mobilgerät lädt, ist das der naheliegende erste Schritt, bevor irgendjemand über Prozentsätze und Euro-Beträge spricht. Ohne Messwert bleibt jede Rechnung, die jetzt folgt, graue Theorie.
Für das Beispiel gelten drei Annahmen, die so benannt werden, weil sie es sind: zehn Anfragen im Monat, eine Abschlussquote von 30 Prozent, ein durchschnittlicher Auftragswert von 2.200 Euro. Macht 3 Aufträge im Monat und einen web-generierten Umsatz von 6.600 Euro bei aktuell 3,8 Sekunden Ladezeit.
Von der Sekunde zum Prozentsatz
Amazon hat in einer eigenen Messung festgestellt, dass 100 Millisekunden zusätzliche Ladezeit rund 1 Prozent Umsatz kosten, ebenfalls dokumentiert bei huchel-medienagentur.de. Die Differenz von 1,5 Sekunden entspricht 15 Schritten à 100 Millisekunden. Macht 15 Prozent.
Das ist eine steile Übertragung: Amazon misst an Millionen Transaktionen im E-Commerce, der Elektrobetrieb aus dem Beispiel hat drei Aufträge im Monat. Trotzdem lohnt sich die Rechnung, weil sie zeigt, in welcher Größenordnung sich Ladezeit überhaupt bewegt – nicht als exakte Prognose, sondern als Anhaltspunkt.
Vom Prozentsatz zum Euro-Betrag
Wenn die aktuellen 6.600 Euro im Monat 15 Prozent unter dem liegen, was bei 2,3 Sekunden Ladezeit erreichbar wäre, dann gilt: 6.600 Euro entsprechen 85 Prozent des optimierten Werts. Der optimierte Monatsumsatz läge bei 6.600 ÷ 0,85 = 7.764,71 Euro.
Die Differenz: 1.164,71 Euro im Monat. Hochgerechnet auf zwölf Monate: 13.976,47 Euro im Jahr – rund 14.000 Euro, die auf dem Tisch liegen bleiben, weil die Seite 1,5 Sekunden zu lange braucht.
| Größe | Wert |
|---|
| Aufträge/Monat (aktuell) | 3 |
| Umsatz/Monat (aktuell, 3,8 s) | 6.600 € |
| Umsatz/Monat (optimiert, 2,3 s) | 7.764,71 € |
| Differenz/Monat | 1.164,71 € |
| Differenz/Jahr | 13.976,47 € |
Gegenprobe: halb so viele Anfragen, doppelt so viele
Wer skeptisch ist, ob das Ergebnis nur bei genau zehn Anfragen im Monat funktioniert, sollte die Größenordnung verschieben. Halbiert man die Anfragen auf fünf pro Monat, sinkt der aktuelle Umsatz auf 3.300 Euro, der optimierte auf 3.882,35 Euro. Differenz: 582,35 Euro im Monat, 6.988,24 Euro im Jahr, also rund 6.990 Euro. Verdoppelt man auf zwanzig Anfragen, verdoppelt sich auch das Ergebnis: 2.329,41 Euro im Monat, 27.952,94 Euro im Jahr – rund 27.950 Euro.
| Anfragen/Monat | Differenz/Jahr |
|---|
| 5 | rund 6.990 € |
| 10 | rund 13.980 € |
| 20 | rund 27.950 € |
Das Modell skaliert linear, weil es rechnerisch linear angelegt ist. Genau darin liegt auch seine Schwäche.
Wo die Rechnung nicht mehr aufgeht
Ein Betrieb mit fünf Anfragen im Monat hat kein stabiles Mittel, sondern eine Zahl, die zwischen drei und acht schwankt, je nach Jahreszeit, Empfehlungen und Zufall. Ob eine gute oder schlechte Woche an der Ladezeit liegt oder schlicht daran, dass gerade Ferienzeit ist, lässt sich aus einer einzelnen Kennzahl nicht ablesen. Die 15-Prozent-Übertragung aus dem Amazon-Wert ist zudem eine Analogie, keine für diesen Betrieb gemessene Größe. Sie sagt, dass Ladezeit Geld kostet, nicht wie viel genau in diesem einen Fall.
Auch die andere Seite gehört dazu: Bounce-Raten steigen nicht nur wegen Ladezeit. Der Digital Benchmark Report des Analytics-Anbieters Contentsquare kommt auf eine durchschnittliche Absprungrate von 47 Prozent über alle untersuchten Branchen, mit Pop-ups und schwachem Content als weiteren Hauptgründen neben Ladezeit, berichtet bei HORIZONT. Wer seine Ladezeit optimiert, aber ein unklares Angebot oder eine verwirrende Navigation hat, wird trotzdem Anfragen verlieren – nur eben aus einem anderen Grund. Wer wissen will, woran es bei der eigenen Seite tatsächlich hakt, findet dazu auch eine Liste konkreter Prüffragen zum Speed-Test.
Für Betriebe, die noch nie systematisch getestet haben, wo genau ihre Website Zeit verliert, bietet sich der bereits erwähnte kostenlose Website-Check von log-sysdev.de als Ausgangspunkt an. Er liefert die Zahl, mit der sich überhaupt erst rechnen lässt. Wer danach tatsächlich etwas ändern will, statt nur zu wissen, woran es liegt, findet dort auch Entwickler, die Websites, KI-Anbindungen und Apps direkt umsetzen, ohne Agentur-Zwischenstufe.
Die 14.000 Euro aus dem Beispiel sind kein Versprechen für den nächsten Kontoauszug. Sie sind eine Reihenfolge: erst der Messwert, dann die Übertragung, dann die Grenzen der Übertragung – in dieser Reihenfolge, nicht andersherum.